Infektionsschutz in Schulen: Oberschleißheimer Vorschlag wird Gesetz

CO2 Messgerät Grundschule Parksiedlung

Ein von 3. Bürgermeister Dr.-Ing. Casimir Katz vorgelegter Ergänzungsvorschlag zum Rahmenhygieneplan für Schulen ist vom Bayerischen Kultusministerium in die landesweite Richtlinie aufgenommen worden. Der engagierte Gemeinderat, Ingenieur (und Fahrradbeauftragte) hatte sich im Herbst 2020 intensiv mit der Luftfilter-Thematik an Schulen befasst und dank seines technischen Fachwissens die Anschaffung von CO2-Messgeräten sowie eines Luftfiltergeräts für die Oberschleißheimer Schulen und Kindertagesstätten empfohlen, was auch umgesetzt worden war.

 

Aufgrund einer Änderung im Rahmenhygieneplan im Dezember hätte die Lüftungsregelung für Oberschleißheimer Schulen nicht mehr den Vorschriften genügt. Dies hatte Katz gegenüber dem bayerischen Kultusministerium bemängelt und einen Änderungsvorschlag/Zusatzpassus angeregt:  „Mindestens alle 45 Minuten ist eine Stoßlüftung bzw. Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten (mindestens 5 Minuten) vorzunehmen. Sofern der CO2-Grenzwert nicht mit Ampeln oder Messgeräten überprüft wird, ist grundsätzlich alle 20 Minuten eine zusätzliche Stoßlüftung bzw. Querlüftung vorzunehmen.“

Dieser Vorschlag wurde nun in der Neufassung der Richtlinie „Vollzug des Infektionsschutzrechts – Rahmenhygieneplan zur Umsetzung des Schutz- und Hygienekonzepts für Schulen nach der jeweils geltenden Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“ vom März 2021 unter Punkt 4.3.2. wörtlich aufgenommen.

 

Seitens der Gemeinde wurden bereits im November 100 CO2-Messgeräte für die Oberschleißheimer Schulen und Kindertagesstätten zur Unterstützung der Lüftung bestellt und Anfang Dezember aufgestellt. Damit kann die ausreichende Lüftung der meisten Räume wesentlich unterstützt und somit sichergestellt werden. Ein Etat zur Anschaffung weiterer Geräte sowie von Luftfiltergeräten für den Fall, dass der Raum nicht ausreichend gelüftet werden kann, wurde zur Verfügung gestellt.

 

Weitere Informationen hierzu (ein Konzept für Oberschleißheim sowie eine Präsentation zur Wirksamkeit von Luftfiltergeräten) finden im Download-Bereich dieses Artikels.

 

 

Außerdem zum Thema:

Projekt "Luftfiltertest in der Grundschule Parksiedlung" 

 

Auf Initiative aus der Grundschule Parksiedlung wurde außerdem im November/Dezember 2020 in Kooperation mit Studenten der Hochschule München im Rahmen einer Studienarbeit ein Luftpartikelfilter-Test in der Grundschule Parksiedlung durchgeführt. Unter Leitung von Prof. Bernhard Kurz untersuchten die Studenten des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen in zwei Schulwochen die Wirksamkeit eines Luftpartikelfilters der Marke VKF Renzel im Klassenraum der Klasse 4c. Ein Kontrollmessgerät im Klassenraum (Kästchen auf dem Schrank rechts oben) erfasste alle Daten im Klassenraum; ebenso erfasste ein Meßgerät die Luftdaten im Vergleichsraum des Klassenzimmers der Klasse 1a, welche über keinen Luftfiltergerät verfügt. 

 

Die Ergebnisse der Arbeit liegen nun vor. Die Auswertung ergab, dass das untersuchte Gerät (erwartungsgemäß) keinen Einfluss auf die CO2-Konzentration hat. Diese kann wirksam nur durch eine Regellüftung beeinflusst werden. Zudem konnte das Gerät nur bis maximal 35% der möglichen Leistung betrieben werden. Eine höhere Laufleistung ist im Unterrichtsbetrieb nicht möglich, da diese im Vergleich kleinen und preisgünstigen Geräte doch bauartbedingt einen hohen Lärmpegel erzeugen.

Was die Partikelminderung im Klassenzimmer angeht, so konnte durch das Filtergerät eine Reduzierung der Partikel gegenüber den Werten ohne Filter erreicht werden. Da bei diesem Versuchsaufbau allerdings keine zusätzlichen Aerosole freigesetzt wurden, konnte das Gerät seine Wirkung nur eingeschränkt entfalten. Jedoch zeigte sich eine Verbesserung der Partikelkonzentration im Klassenraum von immerhin 30 bis 50 %.

 

Im Ergebnis lässt sich sagen, dass der Luftfilter zumindest im Bereich der Partikelminimierung Effekte erzielte. Wie wirksam er tatsächlich zum Infektionsschutz bei etwaig infizierten Personen im Klassenraum wäre, kann anhand dieser Versuchsergebnisse noch nicht besagt werden. Im (nicht unerwarteten) Ergebnis hat der Einsatz solcher Filtergeräte in Räumen, die ausreichend gelüftet werden (müssen), nur einen geringen Effekt und lohnt sich in diesen Fällen weder wirtschaftlich noch im Hinblick auf den Infektionsschutz. Lüften stellt somit die wirksamere Alternative dar.

 

 

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